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11.02.2008 Ein Visionär in der neuen Heimat Nicht quatschen, sondern anpacken, lautet seine Maxime. Dieter Kreutzer verkörpert bürgerliches Engagement in seiner neuen Heimat Perleberg wie es nur wenige praktizieren. Am Sonnabend feierte der Visionär seinen 60. Geburtstag - allenfalls eine Zäsur, aber kein Ende seines Tatendrangs. PERLEBERG - Ein Perleberger kann man nicht werden,
entweder man ist einer oder nicht. Mehr als einmal hat Dieter Kreutzer
diese Worte gehört.
Weder ist er in der Rolandstadt geboren, noch aufgewachsen. Seine Wurzeln
liegen im Berliner Raum, in einem christlichen Elternhaus. Kreutzer spricht
von "schlichten Arbeiterverhältnissen" und von Werten
wie sozialer Verantwortung oder Engagement, mit denen er seit seiner
frühesten Kindheit aufwuchs. Kreutzer sah den Verfall der alten Bürgerhäuser, aber er sah auch die schlummernde Schönheit, das Potenzial dieser mittelalterlich geprägten Stadt. ’15 Jahre mag es dauern, dann könnte sie wieder blühen’, dachte er bei sich, nicht ahnend, dass die Wiederauferstehung deutlich später ihren Anfang nehmen und untrennbar auch mit seinem Namen verbunden sein sollte. Von der Lausitz in die Prignitz Die junge Familie zog es nach Perleberg, doch der Zuzug war politisch reguliert. "Als Fremde hatten wir keine Chance". Und so lebten sie in der Lausitz, wo Dieter Kreutzer nach seiner Lehre im Lokomotivbau und einem Studium in Ilmenau in der Energiewirtschaft arbeitete. 1983 tat sich eine Brücke in die Prignitz auf. Dallmin hieß ihre erste Station. In der Stärkefabrik bekam Kreutzer die Abteilungsleiterstelle für Energie und Wasser. Weitere fünf Jahre verstrichen, bis in Perleberg ein Direktor für den VEB Wärmeversorgung gesucht wurde. Die Wahl fiel auf Kreutzer. Andere zu motivieren zählt der 60-Jährige zu seinen größten Stärken. "In sein gesellschaftliches Umfeld muss man sich einbringen, sonst ist das alles nur halber Kram", begründet er und ging mit gutem Beispiel voran. Dieter Kreutzer trat in die CDU ein, kandidierte nach der Wende für den ersten Kreistag, wurde gewählt. "Ich wollte Verantwortung übernehmen, so wie ich es in meinem Elternhaus gelernt hatte." Bürgerliches Engagement muss die guten Absichten der Stadtverwaltung begleiten, dann sei vieles zu erreichen. Kreutzer spricht von einem "Dreiklang Wirtschaft, Verwaltung und Ehrenamt der stimmig sein muss". Er ist überzeugt davon, "wenn dieser Dreiklang harmoniert, werden sich viele wundern, was alles möglich ist und künftig noch möglich sein wird." In den 90er Jahre herrschte Aufbruchstimmung in der Stadt. Was fehlte war eine Bündelung der Kräfte. "Ich suchte nach einer Möglichkeit, das Engagement zu kanalisieren." Im Urlaub am Bodensee sollte er fündig werden. Visionen in einem Brief skizziert In Überlingen las Dieter Kreutzer vor einem Fachwerkbau: "Hier baut der Bürgerverein". Das ist es, dachte er bei sich. Zurück in Perleberg schrieb er einen Brief, skizzierte darin seine Visionen und lud im Februar 1997 einundzwanzig Bürger in den Deutschen Kaiser ein. Gekannt hat er sie alle, manche nur flüchtig. Sie alle kamen und es bedurfte nur noch weniger Worte: Der Bürgerverein Perleberg mit Dieter Kreutzer an der Spitze war geboren. "Wir waren und sind ein Verein, der jedem offen steht. Unsere Mitglieder wollen etwas für ihre Stadt bewegen." Der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Nur ein Jahr später zählte der Verein 86 Mitglieder, konnte dem Museum eine erste Spende übergeben, das Rolandfest unterstützen und auf dem Großen Markt die Granittafel vor der Rolandstatue finanzieren. Der Durchbruch gelang mit der StadtmauerAls 1999 ein Teil der Stadtmauer im Schulgang einstürzte, war es der Bürgerverein, der die Initiative ergriff und sie mit einer breiten Unterstützung neu errichtete. "Das war eine Initialzündung, ein Durchbruchprojekt. Die Leute haben gesehen, das etwas passiert", sagt Kreutzer. Im Verein stieg die Mitgliederzahl auf 162. Visionen erfüllten sich: Knaggenhaus, Antiquariat, Perleberg-Tag, Bücherfest sind heute untrennbar mit dem Bürgerverein verbunden. Alle bisherigen Projekte zusammengenommen dürften einen Geldwert von etwa 170000 Euro erreichen, wagt Dieter Kreutzer eine vorsichtige Schätzung. Der Mitgliederzulauf hält an, auch wenn die für dieses Jahr anvisierte Zahl von 300 noch nicht ganz erreicht ist. Derzeit sind es 280. Aber er ist zuversichtlich, denn wir haben ja erst Februar. Ganz große Projekte wie die Restaurierung der 13 etwa 500 Jahre alten Knaggenfiguren schlummern nicht in der Schublade. Gleichwohl steht der Verein vor neuen Herausforderungen. Die Prignitzer Literaturtage und das Bücherfest langfristig zu etablieren, bleibe eine ehrgeiziges Ziel, sagt er. Die Schlechtwetter-Variante im Lesegarten das Antiquariats soll in diesem Jahr vollendet werden. Bei allen wirtschaftlich schwierigen Rahmenbedingungen und dem anhaltenden Bevölkerungsschwund in der Prignitz bleibt Dieter Kreutzer ein Visionär. "Mit Pessimismus kann man nichts bewegen", sagt er und nimmt für den Bürgerverein in Anspruch: "Wir sind im Vereinsregister eingetragene Optimisten." Dieter Kreutzer ist angekommen in seiner neuen Heimat. Und wenn er sagt, "ich glaube ein Perleberger geworden zu sein", hat er Recht. |
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